Museum  Tipp

Wie Österreich zur Dirndlnation wurde

Lexikon | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Die Österreichische Nationalbibliothek verfügt über eine Grafiksammlung und ein Bildarchiv, nicht aber über für modernes Bildwerk geeignete Ausstellungsräume. Daher müssen die Archivare von Fotografie und Grafikdesign ihre Sammlungen in dem barocken Prunksaal der Bibliothek präsentieren. Diesmal stehen die Plakate und Broschüre der Österreichwerbung im Zentrum. "Willkommen in Österreich“ stellt den Tourismus als Auftraggeber der Gebrauchsgrafiker dar, die ihrerseits das Selbstbild der Nation prägten. Die in die Monarchie zurückreichenden ersten Plakate schließen die Ferne mit der Nähe kurz, kombiniert die Berglandschaft des Semmering mit Sandstränden. Ab der Zwischenkriegszeit wird Österreich alpiner. Lederhosen und Dirndln symbolisieren die heile Bergwelt als Gegenraum zur industrialisierten Großstadt, die Bergpanoramen der Werbung versetzen den Touristen in eine souveräne Betrachterposition, in der er die Landschaft konsumieren kann.

Die Ausstellung zeigt auch die Brüche und Kontinuitäten werbetechnischer Bildproduktion nach dem "Anschluss“ im März 1938. Das Wort "Österreich“ verschwand und wurde durch Gau-Bezeichnungen ersetzt. Kärnten etwa wurde zum "deutschen Süden“ und die Steiermark zum "deutschen Südland“. Der Großglockner bekommt das Prädikat "höchster Berg des Deutschen Reiches“. Die neu gewonnene Ostmark warb ausschließlich im "Altreich“ für Erholung im Schollenland.

Auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs behielt das Alpine seinen Rang als erste Attraktion für Gäste. Die Schau zeigt Broschüren des "arisierten“ Hotels "Weißes Rössl“ am Wolfgangsee. Aus Papiermangel verwendete der Hotelier die Werbung aus der Nazizeit - und strich das Wort "arisch“ mit Tinte einfach durch. MD

Österr. Nationalbibliothek, Prunksaal; bis 28.10.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige