GrazMuseum: Großartige Eröffnungsschau und neue, ständige Schausammlung

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Am meisten profitiert der Stadtraum von der behutsamen Restaurierung des Grazer Stadtmuseums, das jetzt GrazMuseum heißt. Nicht nur ist die Fassadenfassung früherer, farbverliebterer Zeiten ist passé. Im Erdgeschoß hat das Büro Arquitectos vier Glasfenster des Foyers in zusätzliche Eingänge verwandelt, damit den öffentlichen Raum erweitert und einen niederschwelligen Ausstellungsbereich geschaffen. Einen Stock darüber zeigen die Architekten allerdings auch, was passieren kann, wenn man ein Ausstellungsdisplay gestaltet, das zwar super selbstreflexiv ist und Hegemonien hinterfragt, dabei aber mutig neue schafft. Rollstuhlfahrer und Kinder werden wenig Freude haben, die auf drehbare Spieße montierten Objekte der permanenten Schausammlung "360 Graz. Die Stadt von allen Zeiten“ von der Seite oder hintereinander gestapelt zu betrachten. Sie sollten gleich in den zweiten Stock fahren, zur uneingeschränkt sehenswerten Eröffnungsausstellung "Eyes on the City“ (bis 28.2. 2013), die Otto Hochreiter gemeinsam mit Christina Töpfer und mit weniger Innovationsdrang kuratiert hat. Gezeigt werden aktuelle Bezugnahmen der Fotografie auf den urbanen Raum. Darunter Montagen von Bitter/Weber, die postmoderne Nicht-Orte als oft menschenleere, bühnenartige Settings interpretieren. Oder Paul Albert Leitners Reisefotografien, in denen nicht nur Unwiederbringliches in eine komponierte Bildwirklichkeit gerettet, sondern auch auf die Motivvorlieben des Fotorealismus reagiert wird. Famos sind die Perspektiven bei Olivo Barbieri oder Peter Bialobrzeski. Es lässt sich eben auch ästhetisch plausibel machen, wie vielschichtig Urbanität sein kann.


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