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Neue Ära

Falter & Meinung | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Ach, da wird einem warm ums Herz. Der Falter Verlag pries "Bücher zur Jahreszeit“ an, den Kellergassenführer und den Friedhofsführer, beides erfolgreiche Titel. Auch ein Tex-Rubinowitz-Kalender für 1993 wurde angeboten, und da, verschämt im Eckchen, fand sich auch ein kleines Inserat für das erste Buch des Chronisten, "Schwarze Zwerge. Österreichs Medienlandschaft und ihre Bewohner“, frisch erschienen im Sonderzahl Verlag.

Es waren nicht die einzigen Neuerscheinungen der Saison. Bedenkt man den Aufwand, den der Falter sonst mit Neuerscheinungen auf dem Magazinmarkt zu treiben pflegte (unter einer Doppelseite ging da nix), war die Begrüßung für Wolfgang Fellners Illustrierte News doch eher von flamboyantem Understatement. Gerade eine halbe Spalte "Seinesgleichen“ war dem Ereignis des Jahrzehnts, nein Jahrhunderts zugedacht. Sie las sich so:

"Es geht eben, wie es geht. Zielgruppe anpeilen, Produkt für TV-Generation abpacken, ein bisschen sehr gut über sich selber reden (,Eine neue Ära beginnt‘), und schon beginnt eine neue Ära. Die erste Zeitung fürs Fernsehzeitalter, das erste synthetische Produkt aufgrund von Marktforschung in Österreich (und überhaupt?), die erste Geschichte mit Präsident Klestil (Überraschung: Er ist seit Juni im Amt!), Exklusives über Zappa (er hat Krebs und macht Musik), Madonna (kein Krebs, auch Musik, aber auch, Überraschung: Sex) und Happel (doch Krebs), keine Schmutzwäsche, wie versprochen, und ein echt prima TV-Programm. Nutzwertstrotzend, nicht zu schrill, mainstreamlined, umfangreich und spottbillig - muss ein Erfolg werden, quer durch Österreich wird gekauft wie verrückt.“

Es gab noch Raum für Politik: Helmut Zilk, Bürgermeister, wollte die Invasion der Russen bremsen, die neuerdings Pässe und Sichtvermerke ausgestellt bekamen. Nur die Mafia, nicht die Geschäftsleute sollten draußenbleiben. Der Falter antwortete mit einer Reportage von Bernhard Odehnal und Wolfgang Lamprecht über Russen, die sich "unbemerkt vom wachsamen Bürgermeister“ bereits angesiedelt hatten. AT


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