Seinesgleichen geschieht  Der Kommentar des Chefredakteurs

Eine Frage an die Kulturpolitik: Wien modern oder Wien barbarisch?

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Hugo von Hofmannsthal lässt in seinem Lord-Chandos-Brief einen fiktiven Lord Chandos dem berühmten Francis Bacon seine Verzweiflung mit den Worten darlegen, "die abstrakten Worte, deren sich doch die Zunge naturgemäß bedienen muß, um irgendwelches Urtheil an den Tag zu geben, zerfielen“ ihm "im Munde wie modrige Pilze“.

Wie der Weltschmerz den Ich-Helden Hofmannsthals dazu bringen konnte, modrige Pilze in den Mund zu nehmen, habe ich nie ganz verstanden, wenn mir auch sein Leid durchaus verständlich erschien, nämlich angesichts des Zustands der Welt, in der ihm, wie er sagt, " alles in Teile“ zerfiel, "die Teile wieder in Teile und nichts mehr (…) sich mit einem Begriff umspannen ließ“.

Dass sie sich immer mehr differenziert und fragmentiert, ist zweifellos ein Kennzeichen jeder hochentwickelten Zivilisation. Aber ist es auch ein Kennzeichen jeder Moderne? Zeichnet nicht gerade die Moderne sich dadurch aus, dass sie die Reduktion dieser unerträglichen Komplexität auf neue


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