Zurück zur Natur

Feuilleton | Musterung: Matthias Dusini | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Zwei Ausstellungen zeigen Bilder nackter Männer: Der phallische Held ist vom Sockel gestürzt

Gerade rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung schwappte eine Erregungswelle über Wien. Passanten hatten sich über das Werbeplakat des Leopold-Museums beschwert, das drei nackte Fußballer zeigt. Das Bild "Vive la France“ von Pierre & Gilles präsentiert gestählte Körper von antikem Ebenmaß, vom Scheitel bis zum Beidl. Obwohl es dagegen keine rechtlichen Bedenken gibt, da ein unerigierter Penis nicht unter das Pornografiegesetz fällt, fühlten sich einige Bürger in ihrem moralischen Empfinden gestört. "Über die nackte Frau von Gustav Klimt, die seit Monaten in den U-Bahn-Stationen hängt, regt sich niemand auf“, wundert sich Tobias Natter, der Direktor des Leopold-Museums.

Der halbsteife Marketinggag erzeugt die für die Bewerbung einer Großausstellung nötige Wirkung - und ist der Beweis dafür, dass das einstige Minderheitenthema Gender im Museumsmainstream angekommen ist.

Das Leopold-Museum


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