Hallihallo, wer sitzt am Klo? Der neue Handke macht uns froh!

Feuilleton | Buchbesprechung: Klaus Nüchtern | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Kurz vor seinem 70. Geburtstag am nächsten Nikolotag ein Buch übers Klo herauszubringen ist fast schon von dylanesker Lässigkeit. Denn der "Stille Ort“, dem Peter Handke seinen nunmehr vierten "Versuch“ widmet (nach solchen über die Müdigkeit, die Jukebox und den geglückten Tag), meint in der Tat das Häusl, die Toilette, den Abort.

Nun wäre Handke aber nicht Handke, wenn er - kicher, kicher - mit dem Tabuthema kokettieren würde. Statt den Begriff des stillen Ortes euphemistisch einzusetzen, versteht ihn der Autor wortwörtlich: als eine Enklave des Rückzugs und der Sammlung.

Vom Hauptwidmungszweck des Scheißhauses ist bei Handke so gut wie keine Rede, ohne dass man deswegen den Eindruck hätte, hier würde etwas verdrängt oder -schwiegen. Das Verhältnis des Erzählers zum stillen Ort ist vielmehr von sympathischer Ungeziertheit. Als der junge, damals staatenlose Handke aus dem heimatlichen Dorf gen Westen aufbricht, verbringt er eine Nacht auf der Bahnhofstoilette von Spittal


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