Buch der Stunde

Kunst ist, das Unsichtbare sichtbar zu machen

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt. Auch für Christoph Schlingensief (1960-2010) hat sich angesichts seiner schweren Krebserkrankung vieles relativiert.

Zum Beispiel der Film eines verwesenden Hasen, den der Regisseur in seiner Bayreuther "Parsifal“-Inszenierung zeigte: "Wenn man gesund ist, dann kann man sich das ganz gut anschauen, vielleicht sogar poetisch finden“, schreibt er. "Inzwischen habe ich allerdings gemerkt: Wenn man sich im Randbereich des Lebens bewegt, dann kann man damit nicht mehr viel anfangen. Dann denkt man: Scheiße, mich interessieren die Würmer nicht, die da in mir entstehen!“

Schlingensiefs letztes, nun posthum veröffentlichtes Buch "Ich weiß, ich war’s“ ist der Versuch des sterbenden Künstlers, Bilanz zu ziehen. Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz, die Herausgeberin, hat das fragmentarisch hinterlassene Material durch Interviewpassagen, Blogeinträge oder Texte aus dem Nachlass ergänzt (etwa einen Schulaufsatz, in dem der 15-jährige


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