Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Der Beteiligungsschmäh

Steiermark | aus FALTER 43/12 vom 24.10.2012

Wer ist denn dieser schnittige Kerl auf den Wahlplakaten der ÖVP? Ah, das ist Bürgermeister Siegfried Nagl. Schaut er so aus, als wünsche er sich nichts mehr als die aktive Teilnahme der Grazer an der Stadtpolitik? Behaupten tut er es, in die Geschichte will er wohl als der Bürgerbeteiligungsbürgermeister eingehen. Diese Beteiligung schaut aber in Nagl’schem Zuschnitt folgendermaßen aus: Ich befrage euch zu einem Thema meiner Wahl, herangetragene Forderungen sind nicht willkommen.

Die Rede ist hier vom Café Rosenhain. Das schnuckelige Ausflugsziel hätte nach den Plänen des Bürgermeisters neu gestaltet werden sollen, eine Bürgerinitiative war dagegen. Folgte man der Argumentation von "Rettet das Rosenhain“, dann wurde schnell klar, dass das überlegte Menschen sind, die man an den Verhandlungstisch bitten kann. Was Nagl schlussendlich auch tat - aber erst nachdem tausende Menschen eine Petition unterzeichnet, die Medien dauerberichtet und sich dann auch noch der bekannte Architekt Volker Giencke eingeschaltet hatten. Das Anliegen ist so einfach wie nachvollziehbar: Bitte nicht noch ein weiterer Edelgastroschuppen wie am Schlossberg oder am Hilmteich, sondern ein Lokal auch für solche Leute, die schon mal drei Stunden an einem Mineral Zitron nuckeln.

Nach beharrlichem Drängen hieß es letzte Woche seitens der formierten Bürger: "Sieg - das Rosenhain bleibt“. Die bisherigen Pächter bekommen einen Mietvertrag für ein weiteres Jahr, ein Architekturwettbewerb findet statt, die Vorschläge der Bürgerinitiative sollen im neuen Betreiberkonzept Niederschlag finden. Und Nagl wird die Sache wohl als gelungenes Beispiel von Bürgerbeteiligung verkaufen.


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