Kommentar

Empört euch ruhig, ihr Radioredakteure! Aber bitte richtig

ORF

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Der ORF besetzt die Stelle des Innenpolitikchefs im Radio neu. Schon wird das Wort "Postenschacher!“ durch die Gänge des ORF-Funkhauses geraunt.

Kurz vor dem Superwahljahr 2013 ist das eine wichtige Personalentscheidung im Funkhaus, das als wesentliche Bastion des unabhängigen Qualitätsjournalismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt. Zwei Hearings wurden bereits abgehalten, eines von der Redakteursversammlung und eines von der Radiodirektion organisiert.

Während die Redakteure die Ö1-Innenpolitiker Stefan Kappacher und Andreas Jölli favorisierten, gewann Radio-Wien-Informationschef Edgar Weinzettl das Hearing der Radiodirektion.

Was folgt, ist für alle Seiten unangenehm: Weinzettl, Kandidat der Geschäftsführung, gilt plötzlich als roter Büttel, dem ein politisch heikler Job zugeschoben werden soll. Allerdings können selbst Kritiker keinen Vorfall nennen, bei dem Weinzettl als Wortchef auf Radio Wien parteipolitisch Einfluss nahm.

Die von der Redaktion favorisierten Innenpolitikspezialisten wissen nun, dass die Kollegen ihre Arbeit schätzen, ihre Chefs anscheinend weniger.

Möchte der ORF bei derartigen Entscheidungen tatsächlich Objektivität, hilft nur eines: Die Kommission bei solchen Hearings muss um externe Experten erweitert werden.

Im Fall des ORF-Innenpolitikchefs im Radio bestand die Auswahlkommission nur aus ORF-Abteilungsleitern, die über einen Kollegen abstimmten. Da entsteht schnell - berechtigt oder nicht - der Verdacht, es gehe weniger um Qualität als um andere Interessen. Das schadet nicht nur den Betroffenen, sondern dem ganzen Unternehmen.


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