Am Apparat

Hat Sie Prada in die Knie gezwungen, Frau Bradac?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Lederwarenerzeugung Bradac ist ein Zweipersonenunternehmen in Hernals, gegründet 1969, spezialisiert auf Geldtaschen für Kellner. Im Oktober hat Gabriele Bradac einen Anwaltsbrief vom Modekonzern Prada bekommen. Wenn Bradac den Namen patentieren lasse, werde Prada aufgrund der Namensähnlichkeit klagen.

Warum droht Ihnen Prada gerade jetzt?

Wir wollten unseren Namen im Sommer patentieren lassen. Aber ich weiß nicht, warum das so ausartet? Ich mache keine Handtaschen, sondern habe mich auf Kellnertaschen spezialisiert. Unseren Namen haben wir nie hervorgehoben. Er ist nur in der Gastronomiebranche bekannt. Die Kellner sagen zueinander: "Geh zum Bradac, kauf da einen Fleck, das sind die besten.“ Aber nur die.

Warum haben Sie klein beigegeben?

Wenn wir uns von einem so großen Unternehmen klagen hätten lassen, wären Kosten aufgekommen. Aber vielleicht hätte ich Prada meine Geburtsurkunde hinhauen sollen.

Woher kommt Ihr Name denn?

Meine Urgroßeltern waren Kroaten. Laut meiner Geburtsurkunde schreibt man das C mit Hatschek, man sagt also Bradatsch, nicht Bradaz.

Sie haben einen sehr außergewöhnlichen Beruf: Ledergalanteristin.

In meiner Familie gab es immer Näher, schon meine Großmutter war Weißwäschenäherin und hat Unterwäsche für den Hof genäht. Mein Vater hat das Geschäft gegründet. Damals gab es wahnsinnig viele Ledergalanteristen, die meisten davon im sechsten Bezirk. Die sind heute alle weg. Alle weg! Mit Geldtascherln haben sie sich nicht mehr erhalten können, seit die billigen aus Asien gekommen sind.

Was halten Sie selbst von Prada-Waren?

Geh, soll ich’s Ihnen ehrlich sagen? Also, die Verarbeitung: naja. Ich krieg sie manchmal zum Reparieren. Von Kellnerleuten meistens. Dann näh ich ein bisserl drüber.

Anruf: B. Narodoslawsky


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