Enthusiasmuskolumne

Keine Tschick und keine Raulederschuhe!

Diesmal: die beste Non-Smoking-Campaign der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Was seine Celebritys anbelangt, erscheint Viennale-Direktor Hans Hurch ausgerechnet zum 50-Jahre-Jubiläum des populären Wiener Filmfestivals als Hans im Pech: Zuerst sagt Isabelle Huppert ihren Wien-Besuch ab; dann wird Werner Herzog bei den Dreharbeiten an der türkisch-syrischen Grenze von den politischen Spannungen in der Region daran gehindert, seinen jüngsten Film in Wien vorzustellen; und schließlich lässt auch noch Michael Caine ausrichten, dass er keine Lust habe, Interviews zu geben.

Immerhin: Zur Gala, mit der die Viennale weniger den Nationalfeiertag als den Beginn des Michael-Caine-Tribute beging, sah der 79-jährige britische Filmschauspieler dann doch im Gartenbaukino vorbei.

Nachdem das Publikum die vergnügliche, aber auch einiges Sitzfleisch erfordernde Verfilmung von Anthony Shaffers Theaterstück "Sleuth“ (1972) gesehen hatte, während sich Sir Michael beim Sacher ein Dinner gönnte, nahm dieser - flankiert von zwei weitgehend zum Nichtstun verdammten Herren - an einem Tisch vor der Leinwand Platz und hinderte die Zuschauer, endlich ihre prallen Blasen zu entleeren, indem er bestens gelaunt aus dem Nähkästchen plauderte.

In schöner Kontinuität zu "Sleuth“, in dem er Laurence Oliviers artifizielle aristokratische Arroganz mit prolligem Sexappeal und Zorn kontert, ließ er den Cockney raushängen und eine Anekdote nach der anderen vom Stapel: wie ihm Tony Curtis das Rauchen abgewöhnte ("Die bringen dich um, du blöder Hund!“) oder John Wayne von Raulederschuhen abriet (weil sich am Pissoir alle nach ihm umdrehen würden). Am besten wohl die Pointe, warum Caines Salzburger Hotelzimmer unaufgeräumt blieb: Das Zimmermädchen kam immer nur bis zur Suite von Omar Sharif.


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