Apollinische Schönheit und politisches Engagement

Feuilleton | Nachruf: Jürg Stenzl | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Im Unterschied zu anderen Komponisten seiner Generation hat Hans Werner Henze Musik als Sprache nie radikal infrage gestellt

Die Friedenstaube spannt ihre Flügel über den zerstörten Torso Apolls und diese Zeit sieht das Aufblühen einer neuen Jugend, welche, durch den Verrat, Vergewaltigungen und Bedrohungen gezeichnet, das Wort ‚Humanität‘ neu zu verstehen versucht. Zurückgestoßen in den reißenden Totentanz einer unermesslichen Hölle, beginnt sie leise aktive Verbindungen zum Alltagsleben zu unterhalten.“

Im Herbst 1950 schrieb der 24-jährige Hans Werner Henze, der unter anderem bereits eine Oper, ein Violinkonzert, zwei Ballette und drei Sinfonien komponiert hatte, diesen Text, den man als Selbstporträt lesen muss: ein emphatisches Bekenntnis zu einer als "apollinisch“ verstandenen Schönheit, im Wissen darum, was während der Jugendzeit des 1926 Geborenen geschehen war.

Henze traf im sommerlichen Darmstadt die aus allen Ländern kommende musikalischen Jugend und deren


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