Wenn der Nebel über Wien kriecht, geht das Klavier in den Tomatenkeller

Feuilleton | Konzertvorschau: Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Wenn der Wiener Hochnebel seinen himmlischen Catenaccio aufzieht, kann einen schon die Depression im Nacken packen. Dann muss man halt die Flucht nach vorn antreten, in den Fünfzehnten fahren und dort in den Keller gehen, um sich das Gemüt wieder durchputzen zu lassen. Und damit es im Blue Tomato so richtig eng wird, lässt Pianist Hannes Löschel unter ausdrücklicher Billigung von Hausherr Günter Werner dort auch noch einen Flügel reinstellen.

"In dieser Clubatmosphäre habe ich Konzerte gehört, die man so woanders nicht erlebt“, erinnert sich Löschel, der nun zum zehnten Mal das Klavierfestival Soundgrube 15 kuratiert, an prägende musikalische Epiphanien. Er schätzt am Blue Tomato, das selbst seinen 30. Geburtstag begeht und in der gastgartenfreien Zeit die Pforten für freie Improvisation und Jazz mit erhöhtem Krawallfaktor öffnet, die dichte Atmosphäre, die Verschworenheit des Publikums, die ästhetische Ausrichtung: "Dass der Underground dann tatsächlich ins Souterrain

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