Aus der Traumfabrik in den Schlachthof

Feuilleton | Ausstellungskritik: Matthias Dusini | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Das Jüdische Museum rekonstruiert die Karrieren jüdischer Fotografinnen aus Wien. Eine späte Pionierleistung

Die tiefliegende Wintersonne zeichnet die Schatten in scharfen Umrissen auf das Pflaster. Gotische Türmchen und Parkbäume geben der Szene einen romantischen Anstrich, wäre da nicht die verschwommen abgebildete Wand am rechten Bildrand - und die durch die Straße marschierenden Soldaten der deutschen Wehrmacht.

Maria Austrias Fotografie entstand 1943 im vom nationalsozialistischen Deutschen Reich besetzten Amsterdam. Als Jüdin musste die gebürtige Karlsbaderin (bürgerlicher Name: Maria Caroline Österreicher) untertauchen. Mutter und Bruder kamen in den NS-Vernichtungslagern ums Leben. In ihrem Versteck in der Vondelstraat hielt die Studiofotografin die Kamera aus dem Fenster.

Die in der Ausstellung des Jüdischen Museums Wien gezeigte Aufnahme symbolisiert den Riss, der durch das 20. Jahrhundert geht. Nicht ohne Grauen blickt die Nachwelt auf den verklärenden Grundton dieser


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