Ohren auf

Bill Frisell for President!

Sammelkritik: neue Alben mit dem US-Jazzgitarristen Bill Frisell


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Auf seinem Instrument und in seinem Genre ist Bill Frisell der amerikanischste Musiker, den man sich vorstellen kann. Stets schwingt in den viskosen Klängen seiner Gitarre die Weite des Landes und die Zuversicht des Pioniers mit. In seiner countryaffinen Jazzwelt neigt er freilich zu gewissen Manierismen, die indes weniger stark zum Tragen kommen, wenn jemand anderer das Steuerruder übernimmt. Deswegen ist Frisell als Sideman oft besonders überzeugend.

Auf "Quiver“ (Yellowbird) ist er zum einen ganz zu Hause, denn mit dem Trompeter Ron Miles arbeitet er seit vielen Jahren immer wieder zusammen. Zugleich agiert er hier fast ungewohnt jazztraditionalistisch, was nichts daran ändert, dass das Album schlicht großartig ist. Entscheidenden Anteil daran hat Drummer Brian Blade, der subtil agiert, ohne sich zu verstecken. Wie er während eines Gitarrensolos unmerklich von Beserln auf Sticks wechselt und die intime Intensität dieses Livemitschnitts mitgestaltet, ist Weltklasse!

Traditionsgesättigt

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