Holli Shit!

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Kalifornisch einkaufen: Wer sich bei Hollister zurechtfindet, muss unter 20 sein

Hey, what’s up?“, fragen die drei sehr gecastet aussehenden jungen Männer gleich beim Eingang. Sie tragen Karohemden, Jeans und Flipflops und natürlich ist ihre freundliche Frage rein rhetorisch. Das Interesse am Kunden, der den Shop der kalifornischen Kleiderkette Hollister im Donauzentrum betritt, gehört hier nämlich zum Konzept. Und das hat’s ganz schön in sich.

He, was ist hier los? Alles dunkel. Alles laut. Alles stinkig. Von außen sieht man dem Kleiderladen nicht an, was einen drinnen erwartet. Keine Schaufenster, geschlossene Jalousien und als Eingang eine kleine Veranda mit schwarz gestrichenem Pagodendach, das eher an ein düsteres Chinarestaurant erinnert. Man geht vorbei an den drei netten Surfer-Boys und kommt sich vor wie in einem Computerspiel. Scheinwerfer beleuchten punktuell die Ware, an den Wänden Poster halbnackter Damen und Herren, fotografiert wie Alte Meister. Der Holzboden ist schwarz gebeizt, schwarze Wände, schwarze Kassettendecken, und hinter Fenstern sieht man auf riesigen Monitoren Meeresbrandung. Meeresrauschen ist auch zu hören - wenn die großraumdiskolaute Musik kurz aussetzt. Dazwischen noch mehr freundliche junge Menschen in Flipflops (wer Flipflops trägt, scheint hier zu arbeiten), sowie andere junge Menschen mit festem Schuhwerk (Kunden), zwischen den Regalen und Präsentationstischen umherwuseln.

Weil Hollister nicht nur - übrigens: kreuzbrave - Casual- und Basics-Klamotten, Sweater, T-Shirts und Hemden herstellt, sondern auch Parfüm, bedient die junge Kundschaft sehr gerne die Tester-Flacons. Weshalb zur Dunkelheit und zum Lärm die dritte Zumutung für Kunden über 20 kommt: der Gestank. Wenn so das neue Einkaufen ausschaut, müssen sich H&M & Co was einfallen lassen. Hey, what’s up?


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