Ins Mark

Bist du’s, Siegi?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Ein fettes Teil lag am Wochenende vor den Grazer Türen: Bürgermeister Siegfried Nagls Wahlprogramm. Darin verspricht der VP-Chef alles, was gut und progressiv ist. Mit seiner realen Politik hat die Broschüre aber herzlich wenig zu schaffen.

Besonders im Mobilitätskapitel fragt man sich, ob da einfach Teile aus dem Programm der Grünen rüberkopiert wurden. Da ist von der "heiligen Kuh, dem Auto“ die Rede und davon, dass die Leute mehr zu Fuß gehen sollen. Außerdem solle das Wort "Feinstaub“ in ein paar Jahren aus dem Wortschatz verschwunden sein. Gefrotzelt fühlen müssen sich da Nagls Exkoalitionspartner, die Grünen: Wie oft haben sie sich selbst bei Pipifaxprojekten zugunsten der sanften Mobilität die Zähne ausgebissen? Und wer war noch einmal erst für die Umweltzone und hat sie dann mittels Befragung abgedreht?

Eindringlich fordert Nagl auch die Bürger auf, sich zu engagieren: "Warum mischen Sie sich nicht ein?“

Dabei mischen sich immer wieder Leute ein, allzu oft aber vergeblich. Jüngstes Beispiel: die "Gehsteignase“ am Dietrichsteinplatz. Grünen-Chefin und Verkehrsstadträtin Lisa Rücker ließ einen Gehsteig an einer unfallträchtigen Stelle verbreitern. Pro Stunde queren dort bis zu 500 Fußgänger die Straße, darunter viele Kinder. Doch auf Betreiben Nagls wird die "Nase“ nun wieder abgerissen - Autofahrer hatten sich beschwert. 1600 Protestunterschriften ignoriert er, eine Elterninitiative wartete vergeblich auf einen Termin bei Nagl.

In einem Inserat verrät der Bürgermeister, was er wirklich meint: "Wir brauchen endlich eine breite ‚Ja-Sager-Bewegung‘.“ Ja freilich, das könnte ihm so passen!

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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