Fragen Sie Frau Andrea

Feuchtmaschine Deutschlandsberg

Kolumnen | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

während meiner Schulzeit kam irgendwann der Zeitpunkt, als ich vor der Irrationalität einer Rechtschreibregel kapitulierte und mich aus Rücksicht auf meine Schularbeitsnoten schließlich überwand, "Maschine“ ohne langes "ie“ zu schreiben. Noch heute schmerzt es mich, diesem schönen Wort beim Schreiben seine charakteristische Betonung zu entreißen. Noch viel irritierender verhält es sich aber bei dem Begriff "buchhalterisch“ (buchhalteerisch) und der rätselhaften Motivation, bei der Ortschaft Deutschlandsberg besonders die zweite Silbe zu betonen. Über ein paar Hinweise diese Entwicklungen betreffend würde ich mich freuen.

Liebe Grüße,

Marie Rögner, per E-Mail

Liebe Marie,

in die Versuchung, die Maschine mit langem ie zu schreiben, geraten wir wegen ihrer lautlichen Ähnlichkeit mit der Schiene. Die beiden Wörter haben nichts miteinander zu tun. Die Maschine kommt vom französischen machine und dieses vom lateinischen māchina, entlehnt aus griechisch μηχανή, mechané. Das Wort bezeichnet eine künstliche Vorrichtung, zunächst nur eine Kriegsmaschine. Die Schiene, althochdeutsch skina stammt wie "scheiden“ aus einer indoeuropäischen Wurzel *skei-, so viel wie abspalten, (einen länglichen Splitter) absch(n)eiden.

Die gekünstelte Aussprache von buchhaltérisch scheint dem Bedürfnis von Buchhaltérn zu entspringen, ihrer Tätigkeit einen frankofon-sakralen Anstrich zu geben. Ähnliches passierte mit lutherisch, das lange Zeit, analog zu katholisch, auf der zweiten Silbe betont wurde. Ganz anders verhält es sich mit dem Namen der südweststeirischen Bezirksstadt Deutschlándsberg. Die Betonung auf der zweiten Silbe kommt daher, dass Deutschlándsberg von Deutsch Landsberg kommt. Das südweststeirische Landsberg sollte so vom südsteirischen, heute slowenischen Windisch Landsberg (Podèetrtek) an der kroatischen Grenze unterschieden werden. Bizarrerweise kommt aber auch das "deutsche“ Landsberg aus dem Slawischen. Noch im Mittelalter "Lonsperch“ ausgesprochen, stammt der Ortsname vom heute Losnitz (Laßnitz) genannten Flüsschen *lonè‘nica, und dieses von *loka, der "feuchten Wiese“. Wörterbuchhaltérisch könnten wir von Deutschfeuchtwiesenbachberg sprechen, Betonung auf "feucht“.


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