Menschen

Eigensinnfrage

Falters Zoo | Nathalie Grossschädl, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Zu Nhut La Hong und seiner Mode mag man stehen, wie man will. Aber eines kann der kleine Modeunternehmer wirklich gut, sich selbst ganz groß inszenieren. Nein, es gibt keine neue Couturekollektion für den Diskonter, vergangene Woche eröffnete La Hong im Designhaus Stilwerk einen 350 Quadratmeter großen Flagshipstore mit angeschlossenem Atelier. Als Stargast ließ der Schneider die britische Schauspielerin Mischa Barton einfliegen. Berühmt wurde die 26-Jährige, ja womit eigentlich? Mit der Rolle der stylischen Marissa Cooper in der Fernsehserie "O.C., California“, Mitte der Nullerjahre. Danach sorgte Barton, wie es sich für einen Star offenbar gehört, eher mit Drogen- und Alkoholexzessen für Schlagzeilen. An diesem Abend im Stilwerk lockte sie und vielleicht auch die erste Prêt-à-Porter-Kollektion von La Hong hunderte Zuseher in den Nouvel-Turm. Unter ihnen längst vergessen geglaubte Fernsehgesichter wie Vera Russwurm oder Heilwig Pfanzelter, der Fotograf Manfred Baumann und der eine oder andere Schönheitschirurg samt Kundin. Nach einer Wartezeit von rund eineinhalb Stunden ging die Vorstellung endlich los. Mrs. Barton wirkte recht erdig und natürlich, schmiss sich mit La Hong für die Fotografen in verschiedene Posen und erzählte artig, dass sie ein paar Tage in Wien verbringen werde und ansonsten international beim Dreh von drei Filmen mit dabei sei. Was man halt so sagt, ungefragt. Auf dem Laufsteg dominierten Gold, Spitze und wallende Kleider. Höhepunkt war eine Dame im Hochzeitskleid, die für den Designer das Pink-Panther-Thema auf dem Saxofon spielte. Und vom Stilwerk-Himmel rieselte goldenes Konfetti.

Noch eine Shoperöffnung, diesmal in Neubau, wo sich ja bis auf Kinderausstatter keiner mehr was traut. Stefanie Hofer und Toni Tramezzini, das ist der Mann, der unter anderem hinter dem tollen Fox House steckte, machten nun einen "Schauraum für Mode und Fotografie“ am Ulrichsplatz auf. "Eigensinnig“ heißt das Konzept der beiden, und gezeigt wird Straßenfotografie und Mode. Nämlich solche, die es sonst in Wien nicht gibt. Aber während der - mittlerweile schon abgerissene - Fuchsbau an der Westbahnstraße ganz bewusst temporär war, soll Eigensinnig schon eine längerfristige Angelegenheit sein. Um nicht wieder eine Straßensperre und jede Menge Ärger mit den Wiener Linien zu verursachen (so wie damals beim Fox House), haben Hofer und Tramezzini die Eröffnung als Geheimveranstaltung angelegt. Es waren aber erstaunlicherweise trotzdem viele, viele Leute da.

¦Seit zehn Jahren gibt es nun schon den Speisezirkus Palazzo, Reinhard Gerer kocht und lässt wieder im Spiegelzelt kochen und die Leute finden es toll, wenn Hochseilartisten über ihrer Vorspeise turnen oder Clowns servieren. Zur Premiere kamen dann noch mehr bekannte Köche, zum Beispiel das heimische Herdduo Alexander Fankhauser und Andreas Wojta ("Andi & Alex“ sehen aus wie Drillingsbrüder von Felix Baumgartner). "Fools for Love“ heißt die aktuelle Show, die noch weit ins neue Jahr für großen Andrang sorgen wird. Wer kein Hirschkalb mag, bekommt übrigens Vegetarisches vorgesetzt: Sarma, gefüllt mit Couscous.

Natürlich ist auch gerade Viennale, und das Wiener Filmfest ("Kein roter Teppich, dafür ungeputzte Schuhe“) wurde gehörig eröffnet. Wie Stargast Michael Caine so war, können Sie in der Enthusiasmuskolumne auf Seite 21 nachlesen. Wer zum Lachen lieber ins Bestattungsmuseum geht, konnte dort die Präsentation des neuen Falter-Sammelbands "Tatort Friedhof“, herausgegeben von Edith Kneifl, erleben. Gruselig? Nein: krimiesk.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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