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Des Pudels Kern

Falters Zoo | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Peter Iwaniewicz hilft gerne dabei, Österreich als Softdrinkmarke zu positionieren

So schnell kann’s gehen! Im Anholt-GfK Roper Nation Brand Index 2011, der die internationale Wahrnehmung von 50 Ländern misst, nimmt Österreich nur mehr den 13. Rang ein. Was waren das noch für Zeiten, als man allein mit einem lustigen Wappen und einer bunten Flagge eine Nation darstellen konnte. Das ist so was von 20. Jahrhundert!

Jetzt hat man als richtiger Staat zumindest eine solide Markenstrategie. Oder noch besser: ein Nation-Branding. Und Österreich ist mit dabei! Am 25. Oktober wurde die "Entwicklung einer unverwechselbaren modernen Nation Brand Austria“ im Ministerrat beschlossen. Ziel ist eine "systematische Auseinandersetzung mit der Identität Österreichs“ und die "Definition des Markenkerns der Marke Österreich“. Wow! Da kann man dann endlich Österreich auf Facebook liken und seinem Land auch auf Twitter folgen. Der Fallschirmspringer, der Red-Bull-Felix, der hat nicht nur jetzt schon eine super Markenstrategie, sondern der meint auch, Österreich sollte besser eine "gemäßigte Diktatur“ werden. Da ist was dran. Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: "Ich hab da mal was aufgeschrieben, was wir angehen sollten. Falls du Zeit hast, schau dir das mal an.“ Nein, da hieß es: Zack, hier sind die Zehn Gebote! Und wem das nicht passt, der kommt in die Hölle!

Der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Kohl wollte diesen alttestamentarischen Gott sogar in die Verfassung aufnehmen. So etwas nenn ich ein ordentliches Nation-Branding!

Auch der Weltspartag am 31. Oktober könnte ein bisschen mehr Markenstrategie vertragen. Dieser war noch in den 1960er-Jahren ein Highlight im Jahreslauf, der im Kinderjahrestagjubelranking auf Platz vier nach Ostern und deutlich vor Nikolo gereiht war.

Aber Sparbücher verströmen in Zeiten, wo Volksschüler von ihren Großeltern Aktien, Investmentzertifikate und Hedgefonds geschenkt bekommen, bestenfalls einen nostalgischen, von calvinistischer Knausrigkeit geprägten Duft. Sparsamkeit als Nachkriegstugend stinkt heutzutage nach Konsumkraftzersetzung und das Wort "Sparschwein“ bekommt im Mund von Kaufleuten auch eine neue Bedeutung.

Na, ich warte jetzt mal auf die Freunde vom Felix, das sind "Leute aus der Privatwirtschaft, die sich wirklich auskennen“.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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