Kritik

Von Paris nach Budapest: die ungarischen Wilden

Lexikon | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

Die Namen Károly Kernstok, Béla Czóbel oder Róbert Berény sind hierzulande kaum bekannt, obwohl diese ungarischen Künstler einen moderneren Weg einschlugen als ihre österreichischen Kollegen der Zeit um 1910. Das Bank Austria Kunstforum präsentiert verdienstvollerweise die Gruppe "A Nyolcak - Die Acht“, der die drei Künstler angehörten. Auch ohne entsprechendes Vergleichsmaterial wird in "Ungarns Highway in die Moderne“ deutlich, wer die Pariser Vorbilder der jungen Ungarn war: die Fauves um Henri Matisse und Paul Cézannes Formanalysen.

1909 stellt die Gruppe erstmals in Budapest gemeinsam aus und gibt sich anlässlich ihrer nächsten Ausstellung 1911 den Namen "Die Acht“. Rasch zerfällt die Gruppe in Fraktionen, als die Künstler 1914 zu einer Schau ins Wiener Künstlerhaus kommen, zeigt sich die Bruchlinie. Die Konservativen Ödön Márffy, Kernstok und Dezső Czigány stellen im Künstlerhaus aus, während die stark expressiven und unkonventionellen Arbeiten Tihanyis und Berénys von der Wiener Jury abgelehnt werden.

Róbert Berénys "Selbstbildnis“ ist ein gutes Beispiel für eine Malerei, die die Konventionen akademischer Porträtmalerei ablehnt und auf harte farbliche Kontraste und einen dicken Pinsel zurückgreift. Auch in den Sujets der Künstler kündigt sich die neue Zeit an. Neben den alltäglichen Stillleben tauchen Ansichten zeitgenössischer Straßen ohne verklärende Historisierung auf. Kernstoks "Reiter“ gehört zu einer Reihe von Bildern, die einen moderaten, an klassizistischen Idealen orientierten Modernismus vertreten. Die teilweise großen Formate verraten ihre Verwendung für repräsentative Zwecke. Das Collegium Hungaricum zeigt parallel zur Schau eine Auswahl von Zeichnungen der acht Künstler. MD

Bank Austria Kunstforum; bis 9.12.

Collegium Hungaricum; bis 14.12.


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