Neu im Kino

Coming of Age als Krankengeschichte

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 44/12 vom 31.10.2012

In unbestimmter Vorzeit (so um 1990), als Lieblingslieder aus dem Radio noch nicht so einfach wiederzufinden sind, kommt Charlie (Logan Lerman) auf die High School. Er ist schüchtern, labil, sozial unbeholfen. Nicht einfach, weil wir auch so waren, sondern weil er ein geheimnisvolles Kindheitstrauma mit sich herumträgt. Diese Erklärung ist emblematisch für "Vielleicht lieber morgen“: Einem mehr oder weniger gewöhnlichen Teenagerjahr will die Tragikomödie die Strahlkraft des erstmals Erlebten rückerstatten. In diesem Jahr lernt Charlie die lebenserfahrene Sam ("Harry Potter“-Veteranin Emma Watson) und den flamboyanten Patrick (Ezra Miller, der Monstersohn aus "We Need to Talk About Kevin“) kennen, außerdem Drogen, Beziehungsbrösel und Mittanzen zur "Rocky Horror Picture Show“. Die Buchvorlage "The Perks of Being a Wallflower“ ist in den USA Teenagerkult, die Verfilmung durch den Autor Stephen Chbosky höchstpersönlich ist schön gespielt (im Lehrkörper: Paul Rudd und Tom Savini) und trotz schwelgerischen Tonfalls zügig erzählt. Ein paar Brüche mehr, zumal in seinen archetypischen Figuren, hätte dieser hübsche Film noch gut vertragen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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