Kommentar Political Correctness

Grissemann rassistisch? Udo Jürgens schwulenfeindlich?

Falter & Meinung | Gerhard Stöger | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Wenn sich die Kronen Zeitung über das anarchische ORF-Satireduo Stermann/Grissemann erregt, vermag das nicht weiter zu überraschen. Wenn das Zentralorgan des Ressentiments dabei aber die politische Korrektheit bemüht, wird es skurril. So schrieb der Sportkolumnist Peter Linden vergangene Woche über rassistische Klischees, mit denen der Bayern-Kicker David Alaba in der TV-Sendung "Willkommen Österreich“ verunglimpft worden sei.

Stein des Anstoßes ist eine Frank-Stronach-Persiflage. Dargestellt von Christoph Grissemann, lässt der Neo-Politiker seine wortschwallartige Ignoranz an einem genervten David Alaba (Dirk Stermann) aus, der das Gespräch schließlich mit einem beherzten "Oasch!“ verlässt. Ziemlich lustig eigentlich. Die offenbar humorunbegabte Familie des Fußballers interpretierte den Sketch aber gegen seine Intention, der FC Bayern offenbar auch - und der Krone taugt’s.

Noch einen Tick bizarrer wird es, wenn der Standard seinen Klassik-Kritiker zum Udo-Jürgens-Konzert schickt und dieser mit dem Vorwurf zurückkehrt, der für seine Weltoffenheit und Liberalität bekannte Künstler leiste der Homophobie Vorschub. Sein seltsamer Beleg: Beim Lied "Der ganz normale Wahnsinn“ taucht der Sager "Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ auf der Leinwand im Bühnenhintergrund auf - und das sei im Kontext des Liedes und der anderen Visuals eben schwulenfeindlich.

Weit logischer ist es, das Motiv in aufklärerischer Mission zu verstehen. Ein anderer zu diesem Lied gezeigter Slogan lautet übrigens unmissverständlich "Kein Sex mit Nazis“. In der Logik des Standard ruft der Sänger damit vermutlich dazu auf, doch bitte schön die Nazis zu lieben. F


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