Am Apparat Telefonkolumne

Wer sind die falschen Notbremser, Herr Gries?

Politik | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Die Wiener Linien führen Statistik über Notbremser, sie zeigt: Im Vorjahr wurde die Notbremse 240-mal missbräuchlich gezogen, heuer bis Ende Oktober schon 311-mal. Dominik Gries, Sprecher der Wiener Linien, bittet die Fahrgäste um Achtsamkeit, um unnötige Störungen zu vermeiden (siehe auch Seite 38).

Herr Gries, wie schaut so ein typischer Falsch-Notbremsen-Zieher aus?

Zur Risikogruppe zählen Betrunkene - oft sind es Jugendliche, die sich einen Spaß erlauben. Es sind aber auch Leute, die mit der U-Bahn nicht vertraut sind und glauben, die Notbremse ist ein lustiger, bunter Haltegriff. Kinder, die auf den Schultern ihrer Eltern sitzen und sich festhalten wollen, ziehen auch gern dran.

Was passiert, wenn man notbremst?

Der Fahrer bekommt ein Signal. Wenn der Zug gerade bei der Station ein- oder ausfährt, bremst er in der Station ab. Ist die U-Bahn gerade im Tunnel, dann fährt er bis zur nächsten Station weiter und bleibt dann stehen. Außerdem wird die Leitstelle sofort informiert und meldet sich mit "Notfall, bitte sprechen!“. Die Notbremse ist auch eine Notsprechstelle.

Wann soll man die Notfallbremse ziehen?

Wenn man denkt, dass es eine Notsituation gibt. Also wenn jemand Hilfe braucht - bei einem Herzinfarkt etwa. Oder wenn man Zeuge einer Rauferei wird. Oder wenn man sieht, dass jemand auf die Gleise stürzt. Dafür gibt es neben der Notfallbremse auch die Notstopp-Einrichtung am Bahnsteig.

Werden Falschbremser bestraft?

Es wird niemand bestraft, der die Notbremse unabsichtlich missbraucht. Wir haben das Problem, dass sich einerseits Fahrgäste vor Strafen fürchten und die Notbremse nicht ziehen, obwohl es notwendig wäre. Und andererseits gibt es die Spaßvögel. Wer die Bremse mit Absicht missbraucht, muss 93 Euro zahlen und macht sich gerichtlich strafbar.

Anruf: B. Narodoslawsky


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