Ein Solo für Harald

Politik | Porträt: Barbara Tóth | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Harald Waiglein war Rocker und Journalist. Heute vertritt er Österreich beim ESM

Und noch ein Lied. Harald Waiglein spielt seit zwei Stunden im verrauchten Café Dezentral mitten im Wiener Stuwerviertel. Es ist Freitag spätnachts Ende Oktober. Sein Bassist Gunther Oswalder, der ihn bei einigen Liedern begleitet hat, knutscht schon wieder im Publikum. Waiglein schließt die Augen, rückt die schwarze Hornbrille zurecht, die am Ende jedes Songs gefährlich nahe der Nasenspitze balanciert, und schlägt den ersten Akkord an. Er singt amerikanischen Blues, melancholisch, melodisch und ein bisschen altmodisch.

Dann der nächste Arbeitstag. Waiglein trägt nun Anzug und Krawatte, nicht Cargohose und Holzfällerhemd. In den Gipskartonwänden seines Büros stecken noch die Nägel vom Vorgänger, auf einen hat Waiglein das Abschiedsgeschenk der Presseabteilung des Finanzministeriums gehängt. "Keep Cool and Rock On“ steht auf dem Bild. Es ist Woche vier in Waigleins neuem Leben als einer der wichtigsten

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