"Weil die gefräßigen Wiener nicht Platz machen wollten“

Politik | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Ein Buch über das jüdische Wien zeigt Glanz und Tragödie einer langen Beziehung, die in ihren besten Tagen die ganze Welt verändert hat

rezension: Wolfgang zwander

Das Bemerkenswerteste an der langen Beziehung zwischen der Stadt Wien und den Juden ist vielleicht, wie sich die beiden im Lauf der Geschichte wie zwei verwirrte Magnete angezogen und abgestoßen haben. Seit dem Hochmittelalter siedeln Juden in Wien, wo sie mit der gleichen Regelmäßigkeit, mit der sie für die Stadt große Taten vollbrachten, verachtet, vertrieben oder gleich ermordet wurden.

Landesmutter Maria Theresia etwa ließ sich ihre kriegerische Außenpolitik durch das ökonomische Geschick ihrer jüdischen Berater finanzieren, machte aber aus ihrer Judenfeindlichkeit kein Hehl: "Ich kenne keine ärgere Pest von Staatt als dise Nation“, tat sie in einer Verordnung kund, "wegen Betrug, Wucher und Geldvertragen, Leüt in Bettelstand zu bringen, alle üblen Handlungen, die ein anderer ehrlicher Man varabscheüete.“


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