Mediaforschung Verführungskolumne

Warum matschkern die Nachbarinnen, Herr Dirnberger?

Medien | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Philate... was, bitte?“ - jeder, der noch ab und zu analoge Briefe schreibt, weiß: Das ist inzwischen gar nicht mehr so einfach. Die gelben Geschäfte mit dem Post(!)horn sind nämlich inzwischen sogenannte "Philatelie-Shops“, wo mit Marken gehandelt wird, aber keine Briefe angenommen werden; das Postamt findet man stattdessen unter den zwei roten Dreiecken der Skandalbank Bawag.

Dass das sieben Jahre nach der Fusion noch immer kein Österreicher so recht begriffen hat, wird jetzt im neuen Werbespot der Bawag P.S.K. aufgegriffen: Zwei Nachbarinnen, Frauen mittleren Alters, stehen am Fenster und tun, was die gemeine Wienerin, die noch regelmäßig Lockenwickler trägt, eben so tut: Leit schaun und leidenschaftlich matschkern. Der "Eder aus’m dritten Stock“ komme beispielsweise immer mit großen Schachteln aus der Bank. Was da wohl drinnen sei? Komischer Kerl.

Freundlichst gegrüßt wird er selbstverständlich trotzdem. Ein japanisches Kochbuch sei gerade für ihn angekommen, erklärt er daraufhin. Die Frauen fühlen sich bestätigt - ein Kochbuch holt er aus der Bank? Ein komischer Kerl!

"Gewohnheiten ändert man nicht von heute auf morgen. Die Kampagne kann informieren und Lust machen“, sagt Peter Dirnberger von der verantwortlichen Agentur Dirnberger de Felice Grüber. Der Konsument habe durch den Zusammenschluss viele Vorteile, die die Kampagne aufzeigen soll. Im Vorteil sind jetzt zweifellos zumindest jene Österreicher, die gerne Geld verschicken.

Katharina Mittelstaedt


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