Enthusiasmuskolumne Diesmal: Das teuflischste Zimmer der Welt der Woche

Nicht normal: der Architekt als homme fatal

Feuilleton | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Sie kennen die Filme von Fritz Lang? Diesen wahrscheinlich nicht. "Secret Beyond the Door“ wird nur sehr selten gespielt, und der kleine Film noir aus dem Jahr 1948 ist so etwas wie der heimliche Schatz der derzeit laufenden Fritz-Lang-Retrospektive. Joan Bennett verliebt sich darin in einen mysteriösen, traumatisierten Architekten (Michael Redgrave), der in seinem Anwesen mit besessener Akribie Mordzimmer nachgebaut hat. Seine Theorie besagt, dass "die Bauweise eines Raumes bestimmt, was darin geschieht“. Die Wände, Böden, Möbel steuern die Menschen. Und hier fordern sie Blut.

In Langs Film spiegelt sich die böse Ahnung in der Beleuchtung: Wie Vektoren geben im Haus des Architekten Licht und Schatten den Körpern ihre Bewegungsrichtung vor, saugen sie an oder stoßen sie ab. Ein verschlossenes "Blaubart“-Zimmer darf die Frau ausdrücklich nicht betreten - ein Verbot, an das sie sich naturgemäß nicht hält, worauf sie in dem Zimmer …

Das Drehbuch zeichnet den Protagonisten - endlich einmal! - als homme fatal, als Objekt weiblichen Begehrens, das die Hingabe verweigert.Passenderweise lernte Michael Redgrave während der Dreharbeiten Bob Michell, die Liebe seines Lebens, kennen. Obwohl beide verheiratet waren, zog Michell in die Nachbarschaft der Redgraves, und beide Männer integrierten den jeweils anderen als "Onkel“ ins eigene Familienleben.

Joan Bennett war damals mit Walter Wanger, dem Produzenten des Films, verheiratet. Kurz nach dem Dreh schoss dieser einen Nebenbuhler nieder, plädierte auf geistige Umnachtung und ging ins Gefängnis.

Das Filmset von "Secret Beyond the Door“ war mit Sicherheit gut gebaut.

MAYA MCKECHNEAY

Am 15.11., 20.30 Uhr im Filmmuseum


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