Schießen Sie auf den Protagonisten!

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Anton Tschechow kann auch ganz schön komisch sein: Matthias Hartmann inszeniert "Onkel Wanja“ im Akademietheater

Manchmal entscheiden ein paar Zentimeter zwischen Komödie und Tragödie. In Anton Tschechows Stück "Onkel Wanja“ greift der Titelheld am Ende des dritten Akts zur Flinte und schießt zweimal auf seinen Schwager. Träfe er, wäre das Stück eine Tragödie. Weil er aber danebenschießt, ist es eine Komödie.

Die Schussszene stellt Matthias Hartmann seiner "Wanja“-Inszenierung im Akademietheater als Prolog voran - als wollte der Regisseur gleich einmal klarstellen, in welchem Genre wir uns befinden. Tatsächlich ist er fest entschlossen, in Tschechow jenen Komödienautor zu sehen, als den sich dieser selbst verstanden hat.

Die Rolle des alkoholkranken Arztes Astrow hat Hartmann mit seinem Lieblingsschauspieler Michael Maertens besetzt, der eigentlich immer Komödie spielt. Auch diesmal kassiert er schon die ersten Lacher, bevor er noch ein Wort gesagt hat. Bei Maertens reicht


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