Wolkentiere im Himmel über der Savanne

Feuilleton | Feature: Joachim Schätz | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

In seinem Film "Tabu“ spiegelt der Portugiese Miguel Gomes Gegenwart und Kolonialgeschichte ineinander

Am Anfang wandelt ein Forscher mit gebrochenem Herzen durch einen schwarzweißen Urwald. Danach springt der Film bald ins Lissabon der Gegenwart, zu Pilar, die den Liebestod gerade im Kino verfolgt hat. "Miss Pilar, nehme ich an“, wird die einsame Frau in der nächsten Szene von einer Rucksacktouristin begrüßt - eine Paraphrase des legendärsten one-liner der Kolonialgeschichte: "Dr. Livingstone, I presume?“

Damit sind die Spielregeln, denen der Film folgen wird, von Anfang an klar: Miguel Gomes’ "Tabu“ spiegelt Kino und Alltag, Erinnerung und Gegenwart ineinander, findet dabei aber auch Spaß an Blödeleien. Zu diesem Behufe ist der Film zweigeteilt: Die erste Stunde berichtet aus dem Leben der aufopfernden Pilar, das zunehmend um deren verhaltensauffällige alte Nachbarin Aurora kreist; wohingegen die zweite Hälfte Aurora als junge Frau zeigt, die sich in einer afrikanischen


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