Vier Musikerinnen auf und abseits der Bühne - in einem Film, der ein Hustenproblem hat

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Clara Luzia betritt die Bühne stets mit Bierflasche. Gustav nimmt einigen Papierkrieg in Kauf, um sich auch vor Publikum eine anzuheizen. Und Teresa Rotschopf, vormals Sängerin von Bunny Lake, möchte lieber mit ihren eigenen Sachen an der Front stehen. Was diese Musikerinnen zeigen, ist mehr als nur Pose. Sie treten selbstbewusst auf in einem Bubenbusiness. Daran knüpfen sich, wie Vera Kropf von Luise Pop bemerkt, eminent politische Fragen: "Was für eine Frau will ich sein? Oder auch: Will ich eine Frau sein?“

"Oh Yeah, She Performs!“ lautet der Titel von Mirjam Ungers soeben bei der Viennale uraufgeführter Doku. Die Regisseurin schaut den vier Künstlerinnen auf, hinter und abseits der Bühne zu. Arbeit und Familie, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen fordert sehr viel Energie. "I always have a Hustenproblem“, sagt Clara Luzia. Das Einzige, was gegen ihre chronische Verkühlung helfe, sei Cortison: "Dafür“, meint sie mit gespielter Wehleidigkeit, "zerfall ich halt, skelettös.“

Das gilt leider auch für den Film. Der hat zwar schon auch "schöne Stellen“ - etwa wenn Vera Kropf im Proberaum neben blubberndem Ofen "Desperate Times“ intoniert oder Gustav sich beim Fotoshooting hochschwanger in Szene setzt -, doch je länger der Film dauert, desto unentschiedener und häppchenhafter wird er.

Natürlich ist so eine "kollektive Erzählung“ über vier gleichwertige Protagonistinnen eine ziemliche dramaturgische Herausforderung. Dass man dabei auf immer wiederkehrende Effekte (wie Filmmarker und Farbspielereien) setzt, erinnert an diesen absurden Patina-App-Modus, mit dem Amateure ein bissl Stimmung in ihre Urlaubsfilme bringen.

Über weite Teile schaut "Oh Yeah, She Performs!“ halt genauso aus, wie Features über Musiker schon immer ausgeschaut haben. Das gilt für die New-York-Sightseeing-Tour mit Teresa Rotschopf, den absoluten Tiefpunkt des Films, es gilt ärgerlicherweise aber auch für etliche Konzertszenen. Eine vertane Chance. F


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