Die Provinz, das sind die anderen

Feuilleton | Essay: Katherina Zakravsky | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Dieses Land liebt seine Volksschauspieler, das war immer schon so. Hat sich einmal einer oder haben sich gar mehrere gefunden, die sich gut vertragen, baut sich der Kulturbetrieb um ihre optimale Nutzung herum. Dieser extreme Personenkult ist aber auch Kennzeichen einer habituellen Koppelung verschiedener Theaterformen und -techniken: Im großartigen Charakterdarsteller verschwimmen Theaterhandwerk und Kabarett, die Hochkultur des Burgtheaters und die Popularkultur der Pawlatschenbühne.

Fehl geht allerdings, wer darin unbedingt ein demokratisches Phänomen erblickt. Diese schlampig-charmante Aktivierung des Clowns im Mimen und umgekehrt ist ganz einfach die Spiegelung jener urösterreichischen Sitten, denen gemäß der noble Herr gern zum Wäschermädelball geht und die Frau Generaldirektor gern im Hurenschick durch die Seitenblicke hüpft.

Der österreichische Mittelstand braucht seine Ausflüge in die entrischen Gründ’ so, wie Sinatra seine Mafiaverbindungen. Das Problem ist nur, dass

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