Im Netz einer kinderlosen bösen Oma

Feuilleton | Buchbesprechung: Sigrid Löffler | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Boualem Sansal zeichnet in "Rue Darwin“ ein düsteres Bild des gegenwärtigen Algerien

Ist es eine innere Stimme oder eine aus dem Jenseits, ist es eine akustische Halluzination oder eine plötzliche Eingebung am Sterbebett seiner Mutter? Jedenfalls ereilt Yazid, den Ich-Erzähler von Boualem Sansals jüngstem Roman, eingangs der fast schon biblische Ruf: "Geh, kehre zurück in die Rue Darwin.“

Dem Ruf muss, wie widerstrebend auch immer, Folge geleistet werden. So macht sich der Sohn, kaum ist die Mutter begraben, auf in die arme Gasse seiner Kindheit, inmitten von Algiers Elendsviertel Belcourt. Dort ist er in den 1960er-Jahren in einer Einzimmerwohnung aufgewachsen, gemeinsam mit fünf jüngeren Geschwistern, und war glücklich: "Für uns Kinder war die Armut ein Paradies, Belcourt war unser Königreich, wahre Freiheit jederzeit.“

Doch 40 Jahre später ist die Rue Darwin kaum wiederzuerkennen. Die algerischen Islamisten haben das Viertel erobert und die Gasse nach einem ihrer Märtyrer


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