Die "Literatur im Herbst“ segelt gen Süden: freie Sicht aufs Mittelmeer!

Feuilleton | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

:: Die Macht der Literatur besteht darin, dass sie durch die Auseinandersetzung mit dem Besonderen zum Allgemeingültigen vordringt. Sie allein erlaubt es, an den geheimen Wirkkräften herumzuschrauben, die es möglich machen, dass man von einer individuellen Geschichte zur großen Geschichte, vom Einzelnen zum Volk und von der unendlichen Vielfalt zur idealen Einheit gelangt.“ Also sprach Boualem Sansal, algerischer Schriftsteller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2011. Das Interview, das Christine Lötscher mit ihm führte, findet sich in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Wespennest, deren Thema nicht zufällig deckungsgleich ist mit dem der heurigen Ausgabe der alljährlich von der Alten Schmiede veranstalteten Reihe "Literatur im Herbst“. Sie ist diesmal nicht einem einzelnen Land, sondern einem Kulturraum gewidmet, der drei Kontinente und ein Meer umfasst.

Das Motto "Mare nostrum?“ verweist auf das Mittelmeer und zugleich auf die Frage, ob und inwiefern die Völker, die an dessen Gestaden wohnen, zu einem "Wir“ verschmelzen. Immerhin: "Wenn wir von menschlicher Vervollkommnung träumen, vom Stolz und Glück der Humanität“, so konstatierte der französische Historiker George Duby, "dann wendet sich unser Blick dem Mittelmeer zu.“

Boualem Sansal wird nicht nur aus seinem jüngsten Roman vorlesen (siehe Rezension oben), sondern auch mit Ilija Trojanow in einen "Autorendialog“ treten sowie die Eröffnungsrede halten.

Die insgesamt 20 Autorinnen und Autoren kommen aus über einem Dutzend Länder, darunter u.a. Ägypten (Ibrahim Abd al-Magid), Israel (Zeruya Shalev), Italien (Mario Fortunato), dem Libanon (Joumana Haddad), Libyen (Ibrahim al-Koni), Tunesien (Kaouther Tabal) oder der Türkei (Asli Erdogan). KN

"Mare nostrum?“ 9. bis 11.11. im Odeon. Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen


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