Nüchtern betrachtet 

Unerwartete Anmut beim Espressosiebausklopfen

Feuilleton | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Die einzige nationale Idiosynkrasie, die mir während meines kurzen Krakau-Aufenthalts aufgefallen ist, besteht in einer Abneigung der indigenen Bevölkerung, Geld zu wechseln. Schickt man sich an, den Kaufpreis von 4 Złoty und 98 Groszy mit einem 10-Złoty-Schein zu entrichten, macht der Pole sofort ein ganz betrübtes Gesicht und fragt, ob man es nicht auch "klein“ habe. Lediglich die Kellnerin des Nowa Prowincja nahm den Hunderter, mit dem ich mein Frühstück bezahlte, entgegen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Das Nowa Prowincja ist ein gemütliches Altstadtcafé in der Bracka 3-5, das einen kriminell guten, mit flüssigem Schlagobers übergossenen Apfelkuchen und eine heiße Schokolade von dem Aussehen und der Konsistenz siedenden Bitumens serviert. All das holt man sich am Tresen. Hinter dem Tresen steht eine junge Frau. Ob diese füglich als hübsch oder gar gutaussehend bezeichnet werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Ihre beiläufigen Tanzbewegungen zur laufenden Musik,


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