Doris Knecht Selbstversuch

Ich gebe nur nicht an damit

Kolumnen | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Was soll man machen, wenn man den Kindern versprochen hat, dass man jetzt also meinetwegen daheim nicht mehr arbeitet. Kein Laptop mehr zu Hause, nur noch so ein Schas-iPad, das genau den Zweck seiner Anschaffung erfüllt: Es ist zu gar nichts nutze außer zum Abrufen von E-Mails und zum deppert Facebooken, was aber eh das iPhone auch kann. Also überlässt man es den Mimis zum Spielen. Sie schnorren einem eine neue App ab und frisieren dann Comicfiguren und würden gar nicht bemerken, wenn man direkt vor ihren Nasen in ein MacBook tippte, und würden sie doch, wär es ihnen völlig einerlei. Aber man hat eben keines zur Verfügung. Also kocht man halt.

Es stehen jetzt z.B. bei uns immer zwei Töpfe Suppe auf dem Herd. In einem Topf ist Suppe, im anderen Topf ist Suppe, die auch dem Würfelsuppenmimi schmeckt. Beziehungsweise. Kürzlich war der Philipp zum Essen, und er kriegte eine Suppe zur Vorspeis, und es schien ihm zu munden, bis ein Mimi seine Stimme erhob.

Da sind Haare in meiner Suppe.

Was?? Sicher nicht.

Doch. Kurze schwarze Haare. Als hätte sich jemand hineinrasiert.

Man bemerkt, wie zwischen Philipp und seinem Teller eine Distanz entsteht, und beeilt sich, zur Kenntnis zu bringen, dass dieses Mimi eine andere Suppe isst als die anderen. Trotzdem; wer sich in eine Suppe rasiert, rasiert sich sicher auch in die andere. Danach gibt es ein Rindsragout mit Waldviertler Kipflern und eigenen Käferbohnen, das schreib ich hier nur her, damit der fesche Fotograf es liest.

Der fesche Fotograf steht jetzt unter dem Einfluss des feinschmeckenden Staatskünstlers, kann aber im Unterschied zu diesem nicht verbergen, dass er Leute, die beim Essen und Trinken nicht ausschließlich zum Erlesensten greifen, für barbarische Büffel hält. Anscheinend gehöre da nun auch ich dazu, denn der FF versucht spürbar, gute Sachen vor mir abzuschirmen, weil er offenbar den Eindruck hat, ich wisse sie nicht zu schätzen. Er behauptet, ich hätte einmal einen seiner guten Weine gespritzt. Ich vertrage Spritzwein nun einmal besser! Aber ich glaube trotzdem nicht, dass ich das gemacht habe, dafür hat mir Sedlacek genug beigebracht. Ich gebe nur nicht an damit.

Jedenfalls hat der FF am Wochenende versucht, mich von einer guten Flasche Wein fernzuhalten, er wollte sie allein mit dem Horwath trinken, die ganze Zeit hat er beim Ganslessen hinter meinem Rücken dem Horwath zugetuschelt, was für einen tollen Wein er da habe und sie könnten doch nachher. Was? Nichts. Der FF ist wohl irrtümlich der Meinung, der Horwath verstehe richtig was von Wein. Oder er will einfach nur ein Sulmtaler vom Horwath.

Ich musste jedenfalls zynisch werden, damit ich auch was von dem Wein abkriegte, der außerordentlich war, und es war dem FF anzusehen, dass er ihn an mich verschwendet fand. Tja. Ich werde ihn dafür einmal auf eine Suppe einladen. F


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