Tiere

Gut gebellt

Falters Zoo | aus FALTER 45/12 vom 07.11.2012

Das Futur exakt, die Vorzukunft, ist eine viel zu wenig benutzte Zeitform. Außer, wenn man am Montag über die US-Präsidentschaftswahlen am Dienstag schreibt und die Kolumne am Mittwoch erscheint.

Also: Die entscheidende Wählergruppe werden Hundebesitzer gewesen sein. Anders als bei uns, wo man seinerzeit über Viktor Klimas Hund Grolli witzelte, bekommt ein First Dog in den USA viel mehr Aufmerksamkeit. Sicher, die Zeiten haben sich gewandelt, und kein Präsident kann mehr wie George Washington seine Haustiere Drunkard (Säufer), Tippler (Zechbruder) und Tipsy (Angeschickerter) nennen. Bereits Harry Truman wusste, was man als Präsident braucht: "Suchst du in Washington einen Freund? Dann besorge dir einen Hund.“

John F. Kennedy verlangte, dass seine Hunde vor dem Weißen Haus auf ihn warteten, wenn er mit dem Helikopter einflog, Gerald Ford trainierte seine Golden Retriever darauf, dass sie seinen Mitarbeitern durch Schwanzwackeln anzeigten, wenn er eine Sitzungspause brauchte. Und George H. W. Bush zitierte sogar seinen Cocker Spaniel Millie im Wahlkampf 1992: "My dog Millie knows more about foreign affairs than these two bozos.“ Mit "bozos“ (Dummköpfen) meinte er seine Gegenkandidaten Bill Clinton und Al Gore. Zumindest innenpolitisch lag er damit falsch, denn diese Wahl verlor er. Die Autobiografie Millies verkaufte sich aber dann besser als jene von Bush senior.

In einer Meinungsumfrage zu den aktuellen Wahlen wollten 42 Prozent der Hundebesitzer für Obama und nur 37 Prozent für Mitt Romney stimmen. Einer der Befragten begründete das damit, weil "es zeigt, dass er für etwas Verantwortung übernehmen kann“.

Mitt Romney hingegen wurde der Tierquälerei bezichtigt. Während eines Familienurlaubs 1983 hatte er seinen Irish Setter Seamus in einem Käfig auf dem Autodach über 1000 Kilometer und zwölf Stunden von Massachusetts nach Ontario transportiert. Seamus bekam durch den Fahrtwind Durchfall, und Romney musste daher Hund, Käfig und Auto an einer Tankstelle waschen. Tierschützer machten ihm auch noch jetzt dafür die Hölle heiß. Die Facebook-Gruppe "Dogs against Romney“ wird von über 100.000 Menschen geleckt, ähh, gelikt. Kein Wunder also, wenn Obama am Mittwoch gegen den "dog abuser“ Romney gewonnen haben wird. Wuff! F

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige