Meinesgleichen

Ein Kenner des Internets lobt die Amsel

Falter & Meinung | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Allzu selten macht man eine erfreuliche Entdeckung, und noch seltener teilt man sie mit seinem Publikum. Ab und zu darf ich das hier tun, und deswegen erzähle ich Ihnen heute, was ich von Günter Hack weiß. Nämlich wenig. Ich las in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Merkur einen wunderbaren Aufsatz über Amseln; ein Mann - Hack - beobachtet sie das Jahr über, berichtet von Amselhahn und Amseljungen und teilt Erstaunliches über deren Leben mit. En passant fällt die Bemerkung, der Autor befinde sich nicht weit der Ringstraße. Ein Wiener? Nein. Ein Deutscher, der nach Wien gezogen ist und bei orf.at als Wissenschaftsredakteur arbeitet.

Günther Hack ist nicht nur ein Dichter, was sein Amsel-Bericht beweist, er ist auch ein gescheiter Essayist. Zu Allerseelen publizierte er online einen Text über "Das Internet als Mediensystem des Todes“. Natürlich ist Hack kein Internetskeptiker (für so was halten die denkverkrustetsten Meerschweinchen höchstens mich), sonst wäre er kein Onlineredakteur. Aber was weiß man. Sein Argument jedenfalls überzeugt. Jedes bisherige Medium, etwa ein Buch, brauchte nämlich zu seiner Erzeugung ein gewisses Quantum Energie. Dann aber existierte es ohne weitere Energiezufuhr (von Klimatisierung und Heizung einmal abgesehen). Das Internet hingegen, all die Serverfarmen in der Cloud und was man sonst noch geneigt ist, für stabile Aufbewahrungsorte zu halten, existiert nur, solange der Strom eingeschaltet ist. Fällt er aus, ist das Medium tot.

Quellen :

Günter Hack: Gesang der einäugigen Amsel, Merkur 11/2012

Günter Hack: Das Internet als Mediensystem des Todes, fm4.orf.at/stories/1707195/


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