Kommentar  

Der große Abschlussbericht des Peter Pilz: eine Würdigung

Korruption

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

V ergangene Woche haben die Grünen einen 700 Seiten starken Endbericht zum Korruptions-Untersuchungsausschuss vorgelegt. Und kein Journalist hat das Œuvre von Peter Pilz und seinem Team eingehend gewürdigt.

Das spricht nicht unbedingt für die heimische Presse, die den ambivalenten Charakterkopf Pilz gerne als "Möchtegern-Aufdecker“ abtut (hin und wieder durchaus zu Recht) oder ihn mit Stefan Petzner vergleicht.

Dabei verdient Pilz vollen Respekt. Denn was er mit seinen parlamentarischen Mitarbeitern da vorgelegt hat, ist ohne Übertreibung das Beste, was zum Thema Korruption seit langem erschienen ist.

Pilz’ Team schaffte es, die diversen Affären nicht nur verständlich zusammenzufassen, er dokumentiert die Verfehlungen der blau-schwarzen Regierung und der Regierungsmitglieder Werner Faymann und Nikolaus Berlakovich ohne die sonst übliche polemische Zuspitzung.

Die Grünen tun eigentlich das, was investigative Journalisten tun müssten. Sie schaffen Ordnung in all den unübersichtlichen Causen, sie verweben die Einvernahmeprotokolle, Justiz-Dossiers und Rechnungshofberichte mit den Protokollen des U-Ausschusses. Sie stellen die richtigen Fragen und geben Ideen für Reformen. Parlamentarismus im besten Sinne.

Peter Pilz mag ein Polemiker sein, wer ihm vor die Flinte läuft, hat nichts zu lachen. Sein Jargon wirkt oft befremdlich autoritär.

Er übertreibt hin und wieder und zieht so den Zorn junger, meist weiblicher Grünpolitiker auf sich. Nun aber hat er gezeigt, dass er unentbehrlich ist. Er versteht nämlich das Handwerk der politischen Kontrolle wie kein anderer.


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