Am Apparat  

Für wen lohnt sich Kupferdiebstahl, Herr Hejl?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Es vergeht keine Woche, in der im Boulevard nicht von "frechen Kupferdieben“ berichtet wird. Am vergangenen Montagmorgen mussten tausende Pendler aus Niederösterreich Verspätungen bis zu einer halben Stunde in Kauf nehmen, weil in der Nacht Kupfergleisfreimeldekabel von Schnellbahntrassen entwendet worden waren. Mario Hejl vom Bundeskriminalamt erklärt, was es mit dem Kupferdiebstahl auf sich hat.

Herr Hejl, wer stiehlt Kupfer?

Kupferdiebstahl ist attraktiv, weil das Metall eine leichte Beute ist. Die Täter müssen über kein verbrecherisches Know-how verfügen, es genügt, wenn sie ihrem kriminellen Willen folgen. Sie kommen meistens aus Ungarn oder anderen Staaten im Osten und reißen die Kabel aus der Erde und stehlen von den Friedhöfen die Grablaternen aus Kupferzinn.

Lohnt sich der Kupferdiebstahl für österreichische Verbrecher nicht?

Ein Kilo Kupfer kostet nur sechs bis sieben Euro, beim Lohnniveau in Österreich kommt man damit nicht weit. Wenn der Durchschnittslohn aber bei sechshundert Euro liegt, beginnt die Sache interessant zu werden.

Wird das Kupfer auch an österreichische Großhändler weiterverkauft?

Kupfer trägt kein Mascherl, Abnehmer können nur schwer erkennen, woher das Metall stammt. Wir haben mit den heimischen Betrieben eine Abmachung, dass verdächtige Verkäufer gemeldet werden. Was in Ungarn passiert, können wir nicht überprüfen.

Nimmt der Kupferdiebstahl zu, oder ist das eine medial verzerrte Wahrnehmung?

Es ist seit Jahren ein Auf und Ab, das nicht immer leicht erklärbar ist und natürlich vom Weltmarktpreis abhängt. In den ersten drei Quartalen 2011 gab es in Österreich 1131 Anzeigen, 2012 waren es im gleichen Zeitraum 1182. Die Zahlen blieben also relativ stabil.

Anruf: Wolfgang Zwander


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