Die Kinder vom Südbahnhof

Politik | Reportage: Birgit Wittstock | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Auf Wiens größter Baustelle hat sich ein Bubenstrich etabliert. Wer sind die Jugendlichen, die dort Geld verdienen?

Ich will einen Jungen, der kleine, ungewaschene Stinkefüße hat“, liest Ionel (*Name geändert) langsam, fast buchstabierend vor. Er sieht fragend zu Claudiu*, der sich vor Lachen den Bauch hält und nach Luft ringt. "Ce vrea, ma?“, fragt Ionel auf Rumänisch und blickt von einem zum anderen: "Was will der, Oida?“

Er hat nicht ein Wort der SMS verstanden, die er Claudiu und den anderen beiden Burschen soeben vorgelesen hat. Claudiu, der bereits ein wenig Deutsch spricht, macht das Date für seinen kleinen Bruder klar und erklärt ihm, dass tags darauf ein "Bulangiu“, ein "Schwuler“, auf ihn warten werde. Ein Fußfetischist, der auf stinkende Füße steht.

Die vier hocken nebeneinander auf einer Bank im Schweizergarten, einem Park im dritten Bezirk, unweit des 21er Hauses, gleich neben der Stelle, wo einst jener "trostlose, wenig einladende Südbahnhof“ stand, den


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