Gedenken ohne Gespräch

Feuilleton | Reportage: Erich Klein | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Das Volkstheater lud Ruth Klüger und Herta Müller zu einem Gedenkabend - was sich als vertane Chance erweisen sollte

Sonntag am Abend. Das Volkstheater hat zu einer Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome von 1938 geladen. Hausherr Michael Schottenberg räsoniert über Goethe und die Unzulässigkeit der (prä-nazistischen) Redewendung "bis zur Vergasung“. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die den Ehrenschutz übernommen hat, stockt bei der Zahl von 1400 zerstörten Synagogen und Bethäusern - die sich freilich auf das ganze Nazi-Reich und nicht nur auf Wien bezog, wo es in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schlimmer zuging als in Deutschland. Es war "der Übergang zum Massenmord“.

Die beiden Gäste waren an sich eine gute Wahl: Die Wiener Jüdin Ruth Klüger überlebte den braunen Terror und verfasste als Germanistin in den USA mit "weiter leben“ ein bedeutendes Buch darüber; die eine Generation jüngere Herta Müller schrieb als Rumäniendeutsche

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