Nüchtern betrachtet 

Ich kann beweisen, dass es früher besser war

Feuilleton | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Dass Menschen Ansprüche stellen, die sie nicht willens oder in der Lage sind, selbst zu erfüllen, ist ein extrem weit verbreitetes Phänomen. Bigotterie ist die Margarine des Alltags. Allzu oft freilich gehen die Vorstellungen, die man sich davon macht, in Richtung Sozialsatire, haben also den katholischen Priester vor Augen, der Askese predigt und selbst zu Hause der Köchin die Sprühsahne vom nackichten Leib leckt. Dabei ist die letzte, Zeit ihres Berufslebens im übrigen völlig unbeleckt gebliebene Pfarrersköchin des Landes bereits 1954 verstorben.

Die Durchtriebenheit der Menschheit wird mitunter arg überschätzt. In meinem Milieu etwa tritt sie vorzugsweise in Gestalt jener auf, die Wein predigen und Wasser trinken. Wie oft hat man Typen wie mich nicht schon legeren Umgang mit psychotropen Substanzen und lose Sitten im Verkehr zwischen den Geschlechtern befürworten hören? Und wie oft


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige