Retail-Stapel statt Ratzenstadel

Stadtleben | Architekturkritik: Maik Novotny | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

In Wien Mitte eröffnete Wien Mitte The Mall. Also ein bisschen jedenfalls

Der Straßenzug Invalidenstraße/Hintere Zollamtsstraße ist nicht gerade einer der schönsten in Wien. Man könnte sogar sagen, er ist eine fast nahtlose Aneinanderreihung von Hässlichkeit, ein plumpes Bollwerk der Geschmacksverirrung zwischen erstem und drittem Bezirk. Vom formlosen Raiffeisen/W3-Komplex über die ungelenk verdrehte Klebeplättchen-Architektur des Justiztowers bis zum düster verspiegelten Gebirge des Rechnungshofs am Donaukanal.

Der Bahnhof Wien Mitte reihte sich bis vor wenigen Jahren hier nahtlos mit ein. Vom Wiener Bürgermeister einmal als "Ratzenstadel“ tituliert, bestand er aus unauffällig modernen, aber heruntergekommenen 1960er-Jahre-Bürogeschoßen, darunter ein höhlenartiges Gewirr von Wegen, der Abgang zur U4 als unwürdiges Schlupfloch, der deprimierendste Spar-Markt der Stadt, und im bollwerkartigsten aller Bauwerke, der fensterlosen Markthalle, ein enger Ameisenbau aus Marktständen,


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