Prost!  

Verschlagen und gewieft: Reformsaft im Mehrwegformat

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Bikini Drink

Stadtleben | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Gerade rechtzeitig zum Beginn der Thermensaison fällt der Blick auf den Bikini Drink der deutschen Getränkefirma Eden, ansässig in einem Allgäuer Ort namens Heimertingen. So heimatlich kommt die formschöne Glasmehrwegflasche aber gar nicht daher: Allerlei exotische Früchte tummeln sich da auf dem Etikett, angefangen von der Ananas, die für ihre entwässernde Wirkung bekannt ist, Maracuja, Orange, und da sind dann noch Äpfel und drei Karotten zu identifizieren. So herzerfrischend unzeitgemäß kann sich wohl nur eine mit sich und ihren Produkten im Reinen befindliche Reformfirma namens Eden an die Damen mit den vermeintlichen Problemzonen richten. Der geschäftstüchtige Blick fällt auf die locker sitzende Geldbörse der ewig Unbegehrten. Ganz schön teuer ist das Zeug! Über vier Euro für einen Dreiviertelliter Saft - Reformsaft, streng genommen gar nicht bio, allerhand! Das Gewiefte an dieser "wohlschmeckenden Saftkomposition“ ist aber, dass sie für eine Überraschung gut ist. Ganz irritiert ist man nämlich vom einhergehenden bitteren Geschmack. Die Flasche an die Lippen gedrückt denkt man an die herben Früchte aus den sonnigen Gefilden - Grapefruit oder Pampelmuse.

Erst im extra Kleingedruckten erfährt man, dass Extrakte der allgegenwärtigen Brennnessel und des ozeanisch auftretenden Löwenzahns beigemischt wurden. Mit diesen sympathischen Pflanzen sind wir wieder in Heimertingen angekommen. Geschmacklich, aber nur im materiellen Sinn, haben sie ihre Sache gut gemacht. MS


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