Ins Mark  

Hat Graz ausgerockt?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Vor einigen Wochen hat der Leiter der Grazer Spielstätten, Christoph Thoma, seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er war für den Dom im Berg, die Kasematten und das Orpheum verantwortlich. Schon zuvor wurde bilanziert: Zuschauerrekorde, mehr Veranstaltungen, das Unternehmen wurde in die schwarzen Zahlen gebracht. In der hiesigen Kulturszene war Murren über Thoma zu vernehmen, er dürfte im Umgang kein einfacher Mensch sein. Nur die sind im Kulturbetrieb ohnehin rar gesät.

Letzte Woche hat nun der Veranstalter Vojo Radkovic, der schon viele Jahre Bands auf die Bühne des Orpheum bringt, in der Grazer Woche Kritik an Thoma geübt: "Er hat viel kaputt gemacht in der Stadt (…). Irgendwie hat die Stadt ausgerockt.“ Auf Nachfrage erklärte Radkovic dem Falter, er fühle sich zwar unvorteilhaft zitiert, nur sei unter Thoma das Konzertveranstalten im Orpheum für ihn sehr schwierig geworden. Er erinnerte sich dabei an Zeiten, als die ganze Welt im Orpheum gerockt hatte.

Das hat sie, Radkovics Verdienste sind unbestritten, danke für Johnny Cash oder Motörhead. Nur: "The Times They Are A-Changin’“, um es mit Dylan zu sagen. Der solide Mittelbau des Pop, kurz vor dem Sprung zum großen Erfolg, der immer gut ins Orpheum passte, ist teils weggebrochen. Die Hypes kommen und gehen stündlich, die Konzertlandschaft hat sich verästelt. Aber die Stadt "rockt“ nach wie vor, in der Postgarage, im p.p.c. oder im Forum Stadtpark. Und Radkovics heuriges Programm mag den Umständen geschuldet sein, aber er könnte auch Selbstkritik üben - The Nits, The Dubliners oder Stefanie Werger sind, mit Verlaub gesagt, doch ziemlich 20. Jahrhundert.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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