Phettbergs Predigtdienst

Eine Art Requiem aller Lebewesen

Kolumnen | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

So viele schöne Leute brachten mir im Rauchsalon Stunden ihres Seins zur Augenweide dar. Die Idee des Betens ist in eine Wallfahrt des Augenschmausenlassens nun gewandelt. So viele, die ich schon ewig liebe, ließen mich sie schauen. Das ist Gebet in sozialem Sein, die Vorstufe der Weisheit der Hochschule für Pornografie und Prostitution. Ronnie Niedermeyer kochte mir zum Präsentationstag ein sexy scharfes Chutney. Lauter Zeichen! Alle, die gestern im Rauchsalon waren, erachte "ich“ als Pro-P&P-Hochschul-Hoffende!

Manuel hat mir soeben die ISBN-Nummer von "Alles Erschleckliche“ im Sensationsverlag mitgeteilt: ISBN 3-902303-34-4. Georges, der Bruder von Max, dem Verlagsgründer des Sensationsverlags, kochte mir zu Ehren im Rauchsalon der Secession Blunzengröstl mit warmem Kraut und gemischtem Salat. Denn ich hasste als Kleinkind nichts mehr als Blunzengröstl und weinte so lange, bis Mama mir ein Grießkoch mit draufgeriebener Schokolade machte. So weit bin ich jetzt schon "erzogen“, dass ich alles fresse! Konrad kellnerierte mehrere Sorten Wein, darunter auch den von meinem Bruder Theo geschenkten. So einfühlsam wie Konrad zu sein, wäre für mich undenkbar gewesen. Drum bin ich aus allem sofort hinausgeflogen.

Der tödlich schwitzende Hannes Benedetto moderierte den ganzen Abend und schwitzte sich zu Tode, indem er zuerst ein paar Gedichte und ein paar Briefe von mir aus "Alles Erschleckliche“ vorlas. Edwin Hirschmanns Film "Lyrik nennen wir das“ handelte de facto von den vielen Gedichten, die Dr. Jakob Steinberger sein Leben lang schrieb. Und dann in totaler Demenz verstorben ist. Seine Haushältin, die mit 87 auch ziemlich fest dement war, überantwortete mir die Gedichte von Dr. Steinberger und starb dann auch. Ich war damals Pastoralassistent in der Pfarre Maria Lourdes, wo Dr. Steinberger bis zum Schluss zelebrierte. Und wo ich jetzt schon mehrere Schlaganfälle hatte, fiel Hannes und mir ein, dass wir die Lyrik Dr. Steinbergers in die Bibliothek der Erzdiözese überantworten könnten. Dr. Annemarie Fenzl, die Chefin des Archivs, empfing uns warmherzig und Edwin Hirschmann durfte uns dabei filmen. Edwin baute daraus eine Art Requiem aller Lebewesen.

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