Selbstversuch

Das interessiert mich nächstes Jahr wieder

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Das Allerheiligen-Darmvirus erwischte den kleinen Horwath, die Wirtin, den FF und eins der Mimis. Nur die Frau Rookie, die als Erstes gespieben hat, behauptet stur, das habe nicht am Virus gelegen, sondern am Wasser vom Horwath. Ich sage dazu lieber nichts. Ist ein heikles Thema, das Wasser vom Horwath, weil er sagt, sein Wasser sei gut, und wenn man ein gutes Wasser habe, braucht man es auch nicht testen lassen, aussigschmissenes Geld, und dass alle anderen im Dorf ihr Wasser nicht trinken können, stehe mit seinem Wasser in keinem Zusammenhang, weil er: Felsenbrunnen, 18 Meter tief. Ja! Gut! Und interessiert mich sowieso erst nächstes Jahr wieder; die Landsaison ist jetzt zum Glück vorbei. Plus, ich glaube, wenngleich in völliger Unkenntnis der exakten Diagnose, dass auch die Frau Rookie des Virus wegen gespieben hat. Wie das Mimi, das die Ferien, die sich durch geschickte Kombination von Feier- und schulautonomen Tagen wieder ergeben haben, mit dessen Hilfe um zwei lange Tage verlängert hat. Und zwar, damit ich noch wahnsinnig werde.

Alle drei Stunden habe ich das Mimi gefragt, ob es tatsächlich immer noch Magenweh hat, und das Mimi hat unter seine Wärmeflasche geschaut und gesagt: Ja, leider. Dabei hielt es, wie von Dr. Urban vorgeschrieben, strenge Moro-Diät, obwohl ich fand, dass es dann allmählich wieder normaler essen könne. Am vierten Tag des Virus-Magenwehs beschloss ich, die Dr. Urban anzurufen, das ist ja nicht normal. Das Mimi sagte, warte, ich glaube, es wird gerade besser, es könne jetzt eventuell schon wieder richtig essen. Das tat es, und gab mir hinterher bekannt, es dränge sich ihm nun der Verdacht auf, das Magenweh sei nicht, wie ursprünglich angenommen, eine Folge der Virusinfektion, sondern eine von gemeinem Hunger gewesen, denn wie durch ein Wunder seien die Schmerzen nun weg. Ich sagte ein paar Dinge, die einer guten Mutter unangemessen sind, durfte aber anderntags wieder ungestört mehrere Stunden am Stück arbeiten, danke.

Danach kamen die Mimis heim und sagten, sie hätten übrigens beide einen Dreier in Mathe, sei das nicht super. Ich sagte: Moment. Lasst uns einmal etwas klarstellen. Ein Einser ist super. Ein Fünfer ist superschlecht, und genau dazwischen liegt ein Dreier, also.

Die Mimis sagten: Aber die Fritzi, die sonst immer nur Einser hat, hat auch einen Dreier, also waren wir super. Ich sagte, trotzdem.

Ist aber gelogen. Denn die Mutter, die einst in Mathe sitzengeblieben ist, findet einen Dreier ja auch mehr als okay, wird es aber vor ihrer Brut nicht zugeben, jedenfalls die nächsten acht Jahre nicht. Man erkennt in der Nachkommenschaft eh schon genug von der eigenen Ehrgeizlosigkeit und nimmt die Statusmeldungen von stolzen Eltern, deren Kinder ihr Schulleben lang nur Einser heimbringen, nicht hundertprozentig neidlos zur Kenntnis. Aber. Eben. Ja, zufrieden, doch, sehr.


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