Fragen Sie Frau Andrea

Backen, Schlagen, Pfeifen, Penisse

Kolumnen | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

dieser Tage stammt die Röte nicht vom eisigen Wind, sondern von den peinlichen Nachwehen einer Art Watschen, die wahrscheinlich mancher gerne selbst ausgeteilt hätte. Das Ganze wäre längst wieder vergessen, hätte die Schulz aus Berlin uns nicht gefragt, ob das in Österreich so üblich sei? Also, dass ein Rapper einem Societyreporter vor aller Augen eine reinsemmelt. Apropos Backwaren: Backpfeifen sind natürlich wie jede Art von Gewalt auch keine Lösung, müssen aber doch wie das Reinsemmeln irgendwo ihren Ursprung haben. Helfen Sie uns da bitte weiter.

Herzlichen Dank,

Familie Luckner-Clerici aus Wien

Liebe Luckner-Clericis,

der Berliner Rapper und Chancenjuror Sido hat den erwähnten Insult im Zwiegespräch angekündigt. Den Arm um Gesellschaftsreporter Dominic Heinzl gelegt, prophezeite er diesem: "Du kriegst eines auf die Fresse von mir, dass sich dein Gesicht dreimal im Kreis dreht.“ Der Gedanke an einen gemeinsamen Ursprung von Backpfeifen und Reinsemmeln ist verführerisch. Indes, die Watschen kommen nicht aus der Bäckerei. Die lautmalerische Backpfeife, pfeifend an der Backe angebracht, ist eine Nachbildung zu Ohrfeige. Diese sollte eigentlich Ohrfege heißen, so viel wie Ohrstreich, Streich ans Ohr.

Das Semmeln ist schon schwieriger zu deuten. Aufs erste Vernehmen wollte man es als Reindrücken eines Brötchens verstehen, ähnlich dem Reinwürgen. Wieso Semmel? Das Wort Semmel, althochdeutsch simula, semala, ist entlehnt aus dem lateinischen simila, Brötchen aus feinstem Weizenmehl, und dieses aus dem Orient, wo syrisch s’mīdā und assyrisch samīdu schlicht feines Mehl bedeuten.

Sehr wahrscheinlich kommt Reinsemmeln aber nicht vom Verpassen eines Brötchens, sondern von reinziemen, mit dem Ziemer schlagen. Der Ziemer, eine Klopfpeitsche, mundartlich auch zem, zim, zimer und zemmel genannt, ist erhalten in unserem Wort Ochsenziemer. Es kommt vom französischen cimier und vom altfranzösischen escimer, seimier, semier, wo es das Fleisch am Kreuz von Hirsch und Pferd und in anatomischer Übertragung den Schwanz sowie das männliche Glied bezeichnet. Tatsächlich ist der Ziemer, der Zemmel, der getrocknete Penis des Stieres, der als Prügel benützt wurde.


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