Musiktheater Kritik

Militär, Krieg und antiker Opfermythos

Lexikon | aus FALTER 46/12 vom 14.11.2012

Mit "Iphigénie en Aulide“ wählte Christoph W. Gluck in Paris Euripides in der Lesart von Jean Racine als Stoff. Äußerlich den Konventionen französischer Ausstattungsopern folgend, demaskierte er Huldigungschöre, verhalf Wahrhaftigkeit zu ihrem Recht. Torsten Fischer scheitert daran mit abgegriffenen Versatzstücken modernen Regietheaters: ein Oberpriester mit schwarzer Brille im Rollstuhl, Gewehre und Karabiner überall, fanatisierte Massen, eine Göttin Diana, die am Ende noch schnell von Agamemnon erstochen wird. Es wird ein "Anti-Kriegs-Stück“, der Versuch, die gesellschaftlichen Verhältnisse darzustellen - hie Aristokratie, Staat und Kirche, da Aufklärung vor der Französischen Revolution -, wird nicht unternommen. Vor allem Iphigenie und ihre Mutter Klytämnestra singen sehr gut. HR

Theater an der Wien, Fr, So, Do 19.00


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